Ein ruhiger Sommerabend im Juni. Ich gehe raus auf den Bock – hier in meinem Revier in Nordkroatien. Was dann passiert, gehört zu den Momenten, für die wir Jäger draußen sind: zwei Böcke in zwei Minuten. Und ein dritter, den ich bewusst habe ziehen lassen.
Genau in dieser Reihenfolge steckt alles, worum es bei der Bockjagd geht: sehen, ansprechen, entscheiden – und sauber handeln.
Der erste Abend: das Revier lesen
Bockjagd beginnt nicht mit dem Schuss. Sie beginnt damit, dass du dein Revier liest. Wo zieht das Rehwild am Abend auf die Äsung? Wo stehen die Böcke, die du über die Wochen beobachtet hast? Welcher Wind passt zu welchem Sitz?
Am ersten Abend geht es für mich deshalb nur ums Ansprechen. Ich schaue mir an, was da ist – in Ruhe, ohne Druck. Wer am ersten Abend schon schießen muss, hat meistens vorher etwas versäumt.
Tag 2: die Entscheidung
Am zweiten Tag fällt die Entscheidung. Und dann geht es schnell: zwei Böcke in zwei Minuten. Ein Ansitz, zwei Gelegenheiten – und beide Male muss in wenigen Augenblicken alles zusammenpassen: sicheres Ansprechen, ruhiger Anschlag, Kugelfang, sauberer Schuss.
Solche Momente kannst du nicht erzwingen. Aber du kannst vorbereitet sein, wenn sie kommen. Das ist der Unterschied zwischen Glück und Handwerk: Der Moment ist Glück – dass du ihn nutzen kannst, ist Handwerk.
Der dritte Bock: warum ich nicht geschossen habe
Kurz darauf steht ein dritter Bock im Anblick. Und ich lasse ihn ziehen.
Nicht, weil der Schuss nicht möglich gewesen wäre. Sondern weil nicht jeder Bock, der passt, auch geschossen werden muss. Waidgerechtigkeit heißt für mich: Ich entscheide vorher, was ich entnehmen will – und halte mich daran, auch wenn die Gelegenheit verlockend ist.
Zwei Böcke waren der Plan. Zwei Böcke sind es geworden. Der dritte läuft nächstes Jahr noch – und das ist gut so.
Das ganze Erlebnis im Video
Vom ersten Ansitz über das Ansprechen bis zum Bergen – die ganze Jagd, wie sie wirklich war. Kein Drehbuch, keine Inszenierung.
Was du daraus für deine Bockjagd mitnehmen kannst
- Erst lesen, dann jagen. Der erste Ansitz ist zum Beobachten da. Wer sein Revier kennt, dem „passiert“ der richtige Moment deutlich öfter.
- Ansprechen entscheidet. Zwei Minuten klingen kurz – aber sie reichen, wenn Ansprechen und Anschlag sitzen. Genau das kann man üben.
- Entscheiden gehört dazu. Der beste Beweis für jagdliches Können ist manchmal der Schuss, den du nicht abgibst.
Komm mit auf den Bock – hier in Nordkroatien
Diese Jagd fand in meinem eigenen Revier statt – einem Berg- und Waldrevier in Nordkroatien, mit Übernachtung im Jagdhaus. Und genau hier jage ich auch mit meinen Gästen: eins zu eins, an meiner Seite, ohne Katalogreise-Programm.
Wenn du die Bockjagd so erleben willst – ehrlich, nah und waidgerecht:
Und wenn du vorher an deinem Handwerk arbeiten willst – vom Ansprechen bis zum sicheren Schuss – schau dir das 1:1 Jagdcoaching an.
Waidmannsheil, Carsten
